Kreatives Fotodesign mit Matthias Schwaighofer

Herzliche, humorvolle und sehr nützliche Lernunterhaltung

Kreatives Fotodesign mit Matthias Schwaighofer

Matthias Schwaighofer (nicht Matthias Schweighöfer, ha, das muss er vielleicht öfter hören) ist Photoshopkünstler und Fotograf. In seinem Videotraining möchte er uns Bildeffekte mit Photoshop beibringen, seien es Filmplakate, Verformungen und Lichtstimmungen, Portraitretusche oder aufwändige Composings, für alle Photoshop-Versionen ab CS3.

Das Video-Training beginnt mit Erläuterungen zum Composing einiger Renaissance-Bilder, um uns zum Beispiel die Dodge and Burn Technik zu erklären, die damals schon von Rembrandt (oder einem seiner Schüler) angewandt worden sei. Ein spannender Exkurs als Einleitung zu den modernen Photoshop-Composings – mit einer gelungenen Fotografie als Grundlage sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Gemeinsam mit dem Trainer montiere, verforme, inszeniere, entfache und entwickle ich nun zehn Stunden lang fröhlich vor mich hin.

Und da fängt das Kombohsing damals schon an! Genau das sehe ich als – ja – die ersten Helden. Zwar nicht mit Photoshop, aber in der Bildgestaltung. Denn genauso arbeiten wir heute auch!

Ich hatte länger kein Videotraining – zuletzt saßen die Trainer noch vor dem Galileo-Bücherregal, hier arbeitet man mit Blue-Screen, oder zeigt den Trainer in seinem Fotostudio. Die meiste Zeit hört man ihn natürlich nur.

Matthias Schwaighofer kommt aus Innsbruck – das kann er nicht verbergen, wenn er von der “Dodsch-and-Burn-Dächnik” erzählt, dem “Kombohsing” und der “Kreadividäd”. Dialekte und Intonationen haben nichts mit dem didaktischen Talent oder der Professionalität eines Trainers zu tun, aber die Stimme eines Video-Trainers ist sehr wichtig – zehn Stunden Spielzeit sollten keine Qual sein. Ich erinnere mich noch gut an ein Illustrator-Training vor ein paar Jahren, von einer Trainern in akzentreiem Hochdeutsch gesprochen. Die Rezension dazu habe ich gar nicht veröffentlicht – die Stimme war so lustlos und dünn dass ich nicht lange genug zuhören konnte, um eine faire Bewertung zu geben.

Das ist bei Matthias Schwaighofer nicht der Fall: Er hat einen mitreissenden, vor Kreadividäd übersprudelnden Charme und klingt überzeugend enthusiastisch, in seiner Stimme hört man eine permanente herzliche Freude, weil ihm alles selbst so viel Spaß bereitet.

Dabei hat er stets eine spontane selbstironische Bemerkung parat und macht den einen oder anderen anekdotenhaften Abstecher, ohne je vom Thema abzudriften. Zum Beispiel hat er ganz unkonventionell seinen Wacom-Stift mit Tape und Schnur zu einem Schreibwerkzeug mit Feder umgebaut, das “Deil” ein bisschen dicker gemacht, wie eine “Leonardo-Da-Vinci-Edition”, und das gefällt ihm so sehr gut. Wirklich sympathisch!

Auf dieses Tutorial freue ich mich, seit ich die Berge Tirols verlassen habe und Richtung Bonn ins Studio gewandert bin!

Seine Werke mögen Gesschmackssache sein. Seine Portraits und Composings stellen eigenwillige Helden dar: märchenhafte Frauen und dramatische Figuren mit überproportional großen Köpfen, humorvoll und kitschig inszeniert. Ein Werk zeigt seinen Freund Adrian mit Rambo-Makeup, bedeutungsschwer in eine unbestimmte Lichquelle blickend, die Adern der muskulös aufgeblasenen Männerarme treten plastisch hervor (lernen wir zum Beispiel im Kapitel Das Gesicht vergrößern und verformen), im Kontrast stehen ein Maschinengewehr und ein schützend umklammerter Milchkanister (das zu verkaufende Produkt), im Hintergrund ein Retrostrahleneffekt – “ein klassisches Portrait von mir”.

Seinen Geschmack will er aber keinesfalls aufdrängen, betont er, und das tut er auch nicht. Denn ihm geht geht es um die Vermittlung der Techniken, Werkzeuge und unbegrenzten Möglichkeiten, die uns in die Lage versetzten, unsere eigenen Ideen umzusetzen, so verrückt sie auch seien. Das macht er so konsequent professionell und unterhaltsam, dass dieses Training eine wahre Freude und nur zu empfehlen ist.

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