Orientierung mit Karte, Kompass, GPS

Wolfgang Linke macht geländetauglich - in Urwald, Wüste, auf dem Wasser

Sehr einladend sieht das Buch von Außen nicht aus. Wie ein Mathematikbuch für die Oberstufe, Winkelberechnung und sowas. Auf den ersten Blick sieht es im Buch auch nicht anders aus: Formeln, Zahlen, scheinbar wirre Pfeile. Ich dachte erst, das sei eine Art Survival-Ratgeber. Falls man mal - aus welchem Grund auch immer - orientierungslos irgendwo in der Wildnis steht, heil zurück in die Zivilisation möchte und neben diesem Buch nur Karte und Kompass zur Hand hat. Nein, für diesen Zweck ist das Buch nicht gedacht - wer das sucht, ist mit einem Wildnis-Coach (wie Outdoor-Praxis) besser beraten.

Diejenigen, für die dieses Buch interessant ist, stehen durchaus nicht grundlos irgendwo in der Wildnis. Weisheiten wie Moos wächst nur an der Westseite der Bäume finden hier keinen Platz, denn nicht um das zielstrebige, möglichst rasche Verlassen eines Waldes geht es, sondern um das Erreichen eines ganz bestimmten Ortes in unbekanntem Terrain - mittels Koordinaten und den entsprechenden Geräten. Dazu nötig ist das Beherrschen von professionellem Equipment wie Höhenmesser, Schrittzähler und Deklinationstabelle. Und wie bedient man ein Global Positioning System (GPS)? Das alles hat (beängstigend) viel mit Mathematik zu tun.

Dieses Buch »vermittelt das Orientierungswissen und -können, das unabhängig macht«. Diese »Unabhängigkeit in einem unbekannten Gelände« fragt nach Standort, Richtung, Entfernung und Höhe, und gleicht aus zwischen den Forderungen sicher finden, Kräfte schonen und Zeit sparen.So steht es auf dem Umschlagstext - neben der Info, dass es sich hierbei bereits um die 13. überarbeitete Auflage handelt, was immer irgendwie für zuverlässige, geprüfte Informationen steht. Außerdem wird versprochen: »Wer [die vorgeschlagenen Verfahren] beherrscht, ist expeditionsreif«.

Ich hatte meine liebe Mühe, dieses Buch zu lesen und zu verstehen, was durchaus nicht an Wolfgang Linkes sachlichen und recht unkomplizierten Sätzen lag, sondern meinen (angeborenen?) Schwierigkeiten mit allem Naturwissenschaftlichen. Obwohl das Buch auf den ersten Blick den Anschein von viel Theorie vermittelt, ist es praktisch angelegt: jedes Kapitel endet mit Übungen (gruselig: wie eine Mathe-Arbeit) und ist vor Ort (also im unbekanntem Gelände) vermutlich unentbehrlich. Für mich ist das zu viel Mathematik: trotz Morsealphabet und der Aussicht, u.a. komplizierte Höhenlinienbilder lesen zu können, werde ich wohl kein leidenschaftlicher Geograf mehr werden.Für professionelle Pfadfinder ist es ein kompaktes Lern- und Nachschlagewerk samt Formelsammlungen.

Orientierung mit Karte, Kompass, GPS
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