Orientierungskurs Germanistik

Zeichen, Performanz, Medialität, Textualität ... die Realität des Studiums

Uni Wissen Orientierungskurs Germanistik

Es ist empfehlenswert, sich vor dem Germanistikstudium (und am besten noch vor der Bewerbung) darüber zu informieren, was da auf einen zukommt. Es ist eben doch etwas anderes als Deutsch in der Schule. Im ersten Semester findet man sich mehr oder weniger hilflos zwischen Begriffen wie Semiotik und Strukturalismus wieder – und könnte denken, versehentlich Naturwissenschaften belegt zu haben. Germanistik ist auch eine Wissenschaft, ist methodisch und basiert auf Regeln: es geht darum Texte wissenschaftlich auszuwerten.

Auf ca. 170 Seiten lehrt der Orientierungskurs Germanistik die Grundlagen des Fachs von den kleinsten Teilen der Sprache über Textsorten, das System des Erzählens bis zu den historischen Poetiken. Er dient damit sowohl als Entscheidungshilfe vor der Bewerbung als auch als tatsächlicher Kurs im ersten Semester. Auch hinsichtlich der Fachsprache und verwurzelten Sätze die man künftig verstehen muss: Konstrukte wie »Kontexte können die Textualität eines Textes mitbestimmen« oder »Erzählungen bestehen aus einer syntagmatischen Linearität und aus paradigmatischen Oppositionen, aus finalen und kausalen Prozeduren durch die das Subjekt ein Kontinuum von Zeit und Ordnung zu stabilisieren scheint« geben Anlass, sich das Vorhaben Germanistik noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Eine »leicht verständliche Einführung in aktuelle Forschungsfelder«, wie die Buchbeschreibung verspricht, klingt anders.

Die Autoren (Udo Friedrich, Martin Huber, Ulrich Schmitz) bemühen sich – zu Beginn – um einfache und kurze Sätze, lebensnahe Beispiele und einen Tonfall, mit dem sie ihr junges Publikum anzusprechen versuchen:

»Hi Svenja«, mein Rechner ist kaputt – kannze mir ma das Lied da downloaden?« Das ist so ein Beispiel. Zwei Menschen in einer Situation. Einer hat ein Problem und bittet den anderen um Hilfe. Ohne Sprache geht das nicht […]. Nehmen wir an, Svenja sei guter Laune und begänne zu rappen: »Kannze mirma, kannze mirma, kannzemirma das Lied da da da da da da downloaden?« Schon wäre der banale alltägliche Text sprachspielerisch ästhetisiert, und wir befänden uns auf dem Weg zu »schöner« Literatur.

Ganz ehrlich: mir geht diese bemühte Nähe zur Jugendsprache mindestens genauso auf die Nerven wie die späteren Satzungeheuer. Kurze Kapitel, Infografiken und eine gelungene Übersicht machen zwar einiges wieder wett – für den orientierenden Einstieg besser (da etwas ausführlicher, verständlicher geschrieben) empfinde ich UTB basics: Literaturwissenschaft.

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