Kleine deutsche Literaturgeschichte

Mittelalter bis Gegenwart: Angelsächsische Sichtweise. Eine Literaturgeschichte für den Einstieg

Zu der einführenden Literaturgeschichte von Peter J. Brenner habe ich gesagt: »Um als Student einen einigermaßen objektiven Blick auf die Literaturgeschichte zu erhalten, müsste man möglichst viele verschiedene Literaturgeschichten lesen – historische und aktuelle, von Deutschen verfasste, oder welche von Autoren, die unsere Literaturgeschichte mit der kritischen Distanz einer anderen Nationalität betrachten«.

So etwas hat man mit Nicholas Boyles Kleine deutsche Literaturgeschichte. Nicholas Boyles Literaturgeschichte richtet sich ursprünglich an nichtakademische, englischsprachige Leser und bietet so neben dem »Blick von Außen« auch eine gut verständliche Sprache. Sie beginnt mit dem »historischen Überblick« auf die deutschen Archetypen Bourgeois und Beamter und deren Jahrhunderte währende Konflikte. Erst dann setzt Boyle die »Grundlegung« an, mit der Krönung von Otto I. im Jahr 962 bis zum Jahr 1720. Boyles nächste Kapiteleinteilung, das »Zeitalter der Aufklärung«, reicht bis zum Jahr 1781, das den Tod Lessings und das Erscheinen von Schillers »Die Räuber« markiert.

Das Ende des »Zeitalter des Idealismus« macht er wiederum am Tod eines deutschen Schriftstellers fest: 1932 stirbt Goethe. 1832 bis 1914 ist hier das »Zeitalter des Materialismus«, das letzte Kapitel »Trauma und Erinnerung« beginnt mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs (der im englischen Kulturkreis traumatischer als im deutschen wahrgenommen wird) und reicht bis heute.

Die Literaturgeschichte von Nicholas Boyle ist »klein« und verzichtet so auf die Erwähnung vieler Tendenzen, Werke und Autoren – dafür geht Boyle in seinem letzten Kapitel noch kurz auf die Entwicklungen in Österreich und der Schweiz ein und verknüpft seine Geschichte eng mit politischen, sozialen, religiösen und philosophischen Entwicklungen.
Für das erste Semester Literaturwissenschaft sind diese und Brenners Literaturgeschichte ideal: sie bieten reichen Ein- und Überblick und überfordern intellektuell nicht.

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