Ich weiß, was du denkst

Thorsten Havener erklärt die Grundlagen seiner Zauberkunst

Ich glaube, ich habe ihn mal in irgend einem Beitrag in einem Mittagsmagazin gesehen. Da lief er, von einer Kamera verfolgt charismatisch durch ein Kaufhaus und suchte irgendeinen Gegenstand, den eine arglose Kundin vorher verstecken musste und tat ihn dann siegesgewiss in einem Wühltisch aus. Gefolgt von fassungslosigkeit der Kundin, diverser Kaufhausangestellter und der Mittagsmagazinreportertin, Fassungslosigkeit, die ihm auch Stefan Raab auf der Buchrückseite bescheinigt. Scheinbar kann Havener Gedanken lesen. Wie hat er das nur gemacht?

... Habe ich mich ca. 10 Sekunden lang gefragt, bis zum nächsten irrelevanten Beitrag. Dann habe ich seinen starren Augenaufschlag unter den Neuerscheinungen wiederentdeckt, die Arme dem Betrachter entgegengestreckt, als wolle er seine Handflächen an dessen Schläfen legen. »Ich weiß, was du denkst«, sagt er, und darunter wird versprochen, was man zu erfahren hofft: »Das Geheimnis, Gedanken zu lesen«.

Erfreulich ist auch die Tatsache, dass Thorsten Havener bereit ist, dieses Geheminis auf unter 200 Seiten preiszugeben, denn erwartungsgemäß ist der große Magier kein großer Schriftsteller. Das Buch beginnt autobiographisch - Havener erzählt wie er zur Magie kam und von Kindheit an davon fasziniert war. Er beschreibt Jahre des Lernens und obsessiven Sammelns und wie sein Sutdium zum Diplom-Dolmetscher ihn für die Geheimnisse der Körpersprache sensibilisierte. Nun da wir Haveners Beweggründe kennen, zeigt er uns, was die Körper anderer Menschen ihm erzählen: von den Augen bis zu den Füßen, die Blickrichtung, Schulterhaltung bis zum Winkel in dem die Füße ausgerichtet sind - aber auch Stimme und Betonung und Art der Information im Gespräch verraten ihm Geheimnisse, entlarven Lügen oder weisen ihn die Richtung zum richtigen Wühltisch im Kaufhaus.

Wer Haveners Fähigkeiten (Stichwort: NLP) bislang absolut arg- und ahnungslos gegenübersteht, erhält so manche spannende und leicht verständliche Antwort. Körpersprache, Intuition, Autosuggestion - die Grundlagen vom scheinbaren Gedankenlesen kann man hienachlesen.Dieses Buch hat mich überrascht, denn es ist - was ich nicht erwartet hätte - sympathisch und kurzweilig.Nicht erwarten darf man, dass man nach der Lektüre Gegenstände argloser Kundinnen in Kaufhäusern wiederfinden kann. Aber anfangen zu üben kann man ja schonmal.

Ich weiß, was du denkst
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