Deutsche Literatur auf einen Blick

400 Werke aus 1200 Jahren - unkomplizierte, chronologische Selektion

Deutsche Literatur auf einen Blick: 400 Werke aus 1200 Jahren

Was auf dem Umschlag steht, klingt gut: »Das Handbuch gibt einen kompakten Überblick über die deutschsprachige Literatur vom 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Einzelartikel stellen die wichtigsten Werke in chronologischer Reihenfolge vor und bieten aktuelle Informationen zu Überlieferung, Gattung, Inhalt und Aufbau der Texte sowie zur Rezeption. Darüber hinaus wird jedes Werk in den Kontext Biographie und Gesamtwerk des Autors beschrieben. Die Auswahl der Werke beruht auf einer breit angelegten empitischen Untersuchung. Das ideale Nachschlagewerk für jede Gelegenheit!«

Ich verstehe das so: als Literaturstudent erhalte ich kompakt auf 350 Seiten das ideale Nachschlagewerk für 1300 Jahre deutsche Literatur. Und dann ist es auch noch hübsch gestaltet. Klingt ziemlich ideal.

Wie im Umschlagstext angekündigt, beginnt das Nachschlagen im 8. Jahrhundert mit den Meseburger Zaubersprüchen und endet 1995 mit Bernhard Schlinks Vorleser. Die Artikel sind sortiert in die Elemente Überlieferung, Gattung, Inhalt, Biographischer und werkgeschichtlicher Kontext, Epochentext, Rezeption und Ausgabe.

1456
Thüring v. Ringoltingen
Melusine
Ü Thürings Melusine ist in zahlreichen […]
G Prosaroman
I Graf Emrich nimmt Poitiers Reymund, den Sohn […]
B/W Thürings Vorfahren sind Bauern namens Zigerli […]
E Thüring stellt den Wirklichkeitsbezug seines […]
R Die zahlreichen Überlieferungsträger belegen […]
A T.v.R. Melusine. In der Fassung des Buchs […]

Das ganze Für und Wider eines literarischen Kanons ist ständiges Diskussionsthema der Literaturwissenschaft, natürlich ist das Buch hier auch »nur« eine mehr oder weniger subjektive Selektion, 400 ausgewählte Werke aus 1200 Jahren. Aber es ist nur mittels Selektion und Auswahl, auf Grundlage eines literarischen Kanons, möglich, sich dem gesamten Profil einer Literaturgeschichte anzunähern. Die Herausgeber wissen das natürlich und erklären in ihrem Vorwort: »der vorliegende Band beschreibt einen bestimmten Teil des literarischen Gedächtnisses. Er versammelt den für die Gegenwart gültigen Kanon der deutschen Literatur«.

Sehr gut gefällt mir, dass die Texte einfach und so verständlich geschrieben sind, dass sich der Leser nicht erst in den Wissenschaftswortschatz einarbeiten muss. Das wird schon im Vorwort deutlich, in dem man sich die Mühe macht, Anspruch und Voraussetzungen eines literarischen Kanons zu erklären, anstatt diese Erkenntnis vom Leser einfach vorauszusetzen.

So bestätigt sich der erste gute Eindruck, den die hübsche Umschlagsgestaltung weckt: Wissenschaftler und privat Interessierte haben gleichermaßen ihren Nutzen an diesem Buch. Und vor allem Studenten am Anfang ihres Studiums, die sich über jede halbwegs lesbare Sekundärliteratur freuen, die ihnen ein bisschen Übersicht verschafft.

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