Erfolgreich schreiben

Kunst und Technik des literarischen Schreibens. Autorenratgeber mit Elan

Erfolgreich Schreiben

Schreibratgeber können furchtbar demotivierend sein. Unentwegt belehren sie, dass der Versuch vom Schreiben zu leben von vornherein zum Scheitern verurteilt ist und raten dazu, lieber nur für die Ergötzung der nahen Verwandtschaft zu schreiben. Manchmal bewirkt so ein Schreibratgeber das Gegenteil dessen, was er eigentlich möchte: er schreckt den Leser vom Schreiben ab.

Um es gleich vorweg zu nehmen: dieser Rategber ist auch keiner, der mit Geldscheinen winkt: »Viele Autoren von Ratgebern für Schriftsteller wissen schon, was wir dort finden werden, sie geben die klassische Antwort all jener Wanderer, die Eldorado suchten: Wir werden dort auf Geld stoßen, auf Geld und Gut in Hülle und Fülle.« Und natürlich erinnert auch hier der Autor daran, dass sich mit Schreiben selten Geld verdienen lässt: »Wenn Sie reich werden wollen, spielen Sie Lotto oder handeln an der Börse.«

Eine Distanzierung vom Schreiben für Profit, die zunächst etwas im Widerspruch zum Titel des Buches zu stehen scheint – steht Erfolg nicht in einer Reihe mit Anerkennung und Geld? Und der Umschlag: ist die geneigte Person am ZDF-Mikro der Buchmesse etwa nicht von Hunderten Zuhörern und Kamerastativen umzingelt? Versprechen Titel und Umschlag etwa fälschlich Erfolg und Reichtum, was der Inhalt dann nicht halten kann?
Ich lege das jetzt mal wohlwollend so aus: Schreiben ist ein kreatives Handwerk und den Weg zum erfolgreichen Beherrschen des Schreibhandwerks möchte Dr. Claus Vainstain hier ebnen.

Er hat sich zu diesem Zweck konsequent für einen humorvollen, manchmal anbiedernden Stil entschieden, wobei er seine Leser wie Gäste seiner eigenen Show begrüßt und in einem diensteifrigen Monolog »zutextet«.
Als erstes fragt Vainstain nach dem Antrieb zum Schreiben und erklärt, weshalb ein Autor nicht das schreiben soll, was die zahlende Öffentlichkeit erwartet. Eine kleine Reise in die Literatur soll auf begrenztem Raum ein wenig Gefühl für Sprache vermitteln, bevor der Leser selbst die Werkzeuge in die Hand nimmt und Worte aneinanderreiht.

Dem Dialog, wichtiger Bestandteil des literarischen Textes, wird hier ca. 30 Seiten eingeräumt. Dann geleitet Vainstain durch das Territorium der Semantik, sucht (gemeinsam mit dem Leser) nach einer geeigneten literarischen Form, zeichnet einen Handlungsplan und betrachtet Perspektiven und Figuren. Wiederholt ruft Vainstain dazu auf, die Augen zu schließen und die Vorstellungskraft zu trainieren.

Spielerisch und – wenn es nach dem Autor geht – stets mit einer gemütlichen Tasse Kaffee oder einem Glas Rotwein in der Hand, erhält man dank guter Argumente und schlüssiger Zitate eine Ahnung von den Grundlagen des literarischen Schreibens. Nebenbei legt Vainstain Wert auf das Training des Sprachgefühl, indem er auf Genius und Erfolg anderer Autoren anhand von Textausschnitten aufmerksam macht.

Obwohl Erfolgreich schreiben nicht unerwähnt lässt, dass Schreiben selten den Weg zum Luxus ebnet und natürlich auch nicht die goldene Regel für Erfolg enthält, wirkt sich das Buch recht konstruktiv und motivierend aus. Ob das am Ende von Erfolg gekrönt ist, ist eine andere Frage.

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