BücherSprachen

Gemalte Wörter: 214 Chinesische Schriftzeichen – Vom Bild zum Begriff.

Chinesische Schriftzeichen intuitiv lernen. Ein Schlüssel zum Verständnis Chinas, seiner Menschen und seiner Kultur

Gemalte Wörter: 214 Chinesische Schriftzeichen

Chinesisch ist eigentlich gar nicht so schwer, das stellt man schnell fest. Mandarin, Hochchinesisch, kommt ohne Deklination und Konjugation aus – generell erscheint die chinesische Grammatik geradezu lächerlich simpel. Schwierig ist Chinesisch in der Aussprache, und natürlich wenn es darum geht, diese komplexen Strichanhäufungen zu entziffern – die chinesischen Schriftzeichen.

Ein erster unentschlossener Blick auf die chinesische Schrift flößt Respekt ein. Ein jeweils vollkommen anders gebautes Schriftzeichen steht für jeweils ein Wort.
In 6000 Jahren hat sich das heutige Schriftchinesisch herausgebildet. Die ersten Schriftzeichen sind eingeritzte Piktogramme, die ihren szenischen und gegenständlichen Vorbildern noch sehr ähnlich sehen. Die Entwicklung der Schriftzeichen wird in vier Perioden eingeteilt, beginnend mit den einfachen Piktogrammen der »primitiven Periode«. Reformen und Regelwerke innerhalb der chinesischen Kulturen und Dynastien führten schließlich zum heutigen Schriftsystem, das 1956 in der Volksrepublik China mittels Reduzierung der Striche wiederum vereinfacht wurde (auf Taiwan, in Hongkong und Macao gilt noch das »traditionelle« Schriftsystem).

Zugegeben, bei über 15000 Zeichen ist man schon eine Weile mit Lernen beschäftigt – selbst wenn man sich »nur« 3000 vornimmt, was als grundlegend für den täglichen Gebrauch gilt. Aber rund 900 Millionen Muttersprachler (von denen zwar über 110 Millionen Analphabeten sein sollen – Menschen, die weniger als 1500 Schriftzeichen kennen …) haben’s auch irgendwie gelernt. Da muss doch ein erlernbares System dahinterstecken.

Tatsächlich gibt es ein System zur Entschlüsselung der Zeichen, wenn auch ein komplexes und lernintensives. Die Schriftzeichen setzen sich aus 214 (nach dem Kangxi-Wörterbuch) bzw. 227 (nach modernen Wörterbüchern) Klassifikationszeichen, den Radikalen, zusammen. Sie werden mit einem phonetischem Zeichen verbunden und so zum Bedeutungsträger eines Wortes. Wenn man die 214 Radikale kennt, die dieses Buch erklärt, hat man die Fähigkeit erworben, ein chinesisches Wörterbuch zu benutzen und einen grundlegenden Hinweis auf die Bedeutung eines Schriftzeichens zu erhalten. Die Grundlage ist also die Radikale zu lernen und innerhalb eines Zeichens zu erkennen. Das System und der Schlüssel zur chinesischen Schrift.

Eduardo Fazzioli verspricht mit seinen Gemalten Wörtern einen »Schlüssel zum Verständnis Chinas, seiner Menschen und seiner Kultur«. Jedem Radikal ist eine Buchseite gewidmet. Fazzioli ermöglicht ein übersichtliches und intuitives Lernen: beginnend mit einer Zeichnung wird die schrittweise Entwicklung vom figürlichen Piktogramm zum heutigen, vereinfachten Radikal dargestellt, begleitet von einer kleinen Entwicklungsgeschichte. Gezeigt wird, in welcher Reihenfolge die Striche zum Zeichen zusammengesetzt werden und perfekt gemacht wird die Seite durch je drei bis vier Vokabeln, die den Radikal verwenden (eine Buchseite).

Fazziolis jahrelange Arbeit und Detailliebe sind offensichtlich. Mir hat das Buch ermöglicht, ins chinesische Schriftsystem einzusteigen – nicht durch mühsames Auswendigkernen einer Strichansammlung, sondern in einem intuitiven, logischen Kontext. Ein wirklich tolles Buch.

Hinterlasse einen Kommentar