Was ist Kultur

Wortgewandt, kontextreich, kurz und anspruchsvoll - eine philosophische Einführung

Was ist Kultur

Was ist Kultur – dass diese Frage nicht so einfach beantwortet werden kann, ist zu befürchten. So einen Begriff zu umreißen verlangt nach vielen Denkansätzen, Querverweisen und Buchseiten. Umso erfreulicher ist es, dass diese Einführung  mit weniger als 200 Seiten auskommt.
Der Oxford-Professor Terry Eagleton beginnt ähnlich wie Wikipedia. Dort steht einleitend: »Kultur (zu Lateinisch cultura, „Bearbeitung“, „Pflege“, „Ackerbau“, von colere, „wohnen“, „pflegen“, „den Acker bestellen“) ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur«.

Eagleton führt den Leser trotz weniger Seiten weit an den Begriff heran, zunächst etymologisch, betrachtet also Herkunft und Geschichte des Wortes, analysiert Kulturtheorien und dann soziale und politische Bezüge von heute (Kapitalismus und Globalisierung), wobei das Buch seit der Erstauflage 2001 vermutlich nicht mehr überarbeitet wurde.

Eagleton vereint zahlreiche Blickwinkel und breites Fachwissen und Fachvokabular, um schließlich die Frage nach Begriff und Bedeutung von Kultur geradezu volkstümlich und sentimental zu beantworten: »Kultur ist nicht nur das, wovon wir leben. In erheblichem Maße ist es auch das, wofür wir leben. Liebe, Beziehung, Erinnerung, Verwandtschaft, Heimat, Gemeinschaft, emotionale Erfüllung, geistiges Vergnügen, das Gefühl einer letzten Sinnhaftigkeit – dies alles steht den meisten von uns im Grunde näher als die Charta der Menschenrechte oder Handelsverträge« (Inhaltsverzeichnis und Leseprobe).

Was Kultur also leistet, ist, dass sie aus vielen sektiererischen politischen Individualitäten eine gemeinsame Humanität destilliert; dass sie den Geist aus der Haft der Sinne erlöst, dem Zeitlichen das Zeitlose entwindet und der Vielfalt die Einheit entreißt.

»Leicht und witzig geschrieben« sei das Buch, eine »intellektuelle Lockerungsübung«, so steht es im Beschreibunstext des Einbands. Fragt sich, welcher Bildungshintergrund nötig ist, um die Lektüre als eine Art amüsanten und geistig anregenden Zeitvertreib zu empfinden. Ausgestattet mit einem geisteswissenschaftlichen Grundvokabular kommt man zwar damit zurecht – aber »leicht und witzig«?

Vermutlich bezieht sich das auf Eagletons Bemühen, den einen oder anderen ungezwungenen Kommentar zu machen: so vergleicht er im Kapitel Kulturkriege den Westen mit einem »gekränkten Goliath«, der es dem» frech auftrumpfenden David« (andere Nationen, die im Zuge der Globalisierung emporkommen) schon noch zeigen werde. Man kann ja mal an entsprechender Stelle (intellektuell) vor sich hin lächeln.

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