Papst und Teufel

Kirchenhistoriker Hubert Wolf über die Archive des Vatikan und das Dritte Reich

Papst und Teufel - Rezension

Hubert Wolf, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster, war in den Geheimarchiven des Vatikans. Kardinal Ratzinger war es – von Wolfs Doktorarbeit überzeugt – der ihm 1992 als erstem Wissenschaftler Zugang zu den verschlossenen Archiven des Vatikans ermöglichte.

Erst 1998 wurden sie dann allgemein zugänglich gemacht, die Archive der Heiligen Römischen und Universalen Inquisition und der Römischen Indexkongregation, in denen dunkle Kapitel der Kirchengeschichte lagern: seit 1571 auch der Index librorum prohibitorum, der die Bücher und Autoren verzeichnet, die von Katholiken nicht gelesen, besessen oder verkauft werden durften. Hier stieß Wolf auf die Akte Heinrich Heine, was zu der Überlegung führte, wieso zwar der Spötter auf dem Index stand, der Evolutionstheoretiker Charles Darwin aber nicht.

Auf diesem Weg gelangte Wolf schließlich zur Beantwortung der Fragen, die grundlegend für das Buch Papst und Teufel sind: wieso wurde Hitlers Mein Kampf, trotz bereits fertiggestellter Verurteilung, letztlich doch nicht verboten? In welchem Verhältnis standen Vatikan und Nationalsozialismus demnach? Welche Rolle spielten Papst, Kardinäle und Bischöfe, wie wurde hinter den Mauern diskutiert? Und wie kam es zu dem Konkordat, das 1933 feierlich vom Vizekanzler von Papen und dem Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli unterzeichnet wurde?

Den Mythos der hochtechnisierten Archive, den Dan Brown in seinem Roman Illuminati erschaffen hat, korrigiert Wolf als erstes: kein »dunkler Flugzeughangar« oder luftdichte Kammern mit Unterdruck, die Browns Helden beinahe zur Todesfalle werden – stattdessen berichtet Wolf von »ganz normalen« Aktrenregalen, über 85 Kilometer. Auch wird der Zugang nicht ausschließlich papsttreuen Katholiken erlaubt, sondern es herrsche uneingeschränkter Zutritt für alle, die einen ausreichenden Nachweis wissenschaftlichen Könnens vorweisen. Das »geheim« sei so auch eher im Sinne von »privat« zu verstehen.

Wolfs Weg führt durch die Grenze zur Vatikanstadt, u.a. vorbei am Vatikanischen Supermarkt. »Freundliche Mitarbeiter« im Archiv machen ein Foto und fragen nach dem Forschungsgegenstand: »Das war es dann aber auch«. Mit dem Zutritt zum Geheimarchiv und wie es darin konkret aussieht, beginnt Wolfs Studie zu den Beziehungen zwischen Vatikan und Nationalsozialismus (weitere Kapitel: Inhaltsverzeichnis).

Dass Papst und Teufel einiges miteinander zu tun haben ist nichts Neues. Der Papst aus dem Buchtitel steht für Pius XII., der Teufel ist personifiziert von Hitler. Dem plakativen Titel entsprechend ist Papst und Teufel ein wissenschaftliches Sachbuch, von einem kritischen katholischen Wissenschaftler geschrieben: spannend ohne oberflächlich zu werden, aber noch so populärwissenschaftlich, dass ich es nicht vom Anspruch erschöpft beiseite legen möchte.

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