Handbuch der Germanischen Mythologie

Forschungsstand 1895 als Vorbild für Herr der Ringe

Eines gleich vorweg: Wolfgang Golthers Handbuch der Germanischen Mythologie wird nicht erst seit gestern gelesen, sondern bereits seit dem Jahr 1895. Trotz seines fortgeschrittenen Alters sei das Buch »immer noch aktuell und ein verlässliches Nachschlagewerk für jeden, der sich mit der Gedankenwelt und den Göttern unserer germanischen Vorfahren vertraut machen will« und geradezu »unentbehrlich für jeden, der sich mit den germanisch-nordischen Sagen über Weltschöpfung und Weltende vertraut machen will«.

Das Buch zugeschlagen auf dem Tisch ist so breit wie meine Hand – und kein Buch, dem ich das Prädikat einfach zu lesen verleihen kann. Dass das Buch nicht ganz modernen Schreibkonventionen folgt, wird schon im Originalvorwort deutlich: »Dieses Handbuch wurde auf Veranlassung des Herrn Verlegers geschrieben«, schreibt Wolfgang Golther, »mit Freuden folgte ich der an mich ergangenen Aufforderung«.

Golthers Werk beginnt mit einer ausführlichen Einleitung, in der er auf die vorangegangene mythologische Forschung (Ludwig Uhland und Jacob Grimm) eingeht, die Grundlagen erklärt und das Ziel des Handbuchs absteckt (möglichst übersichtliche und vollständige Absteckung der Göttersage). Darauf folgen die vier »Hauptstücke«: die Gestalten des Volksaberglaubens, der Götterglaube, Weltschöpfung und Weltende sowie schließlich die gottesdienstlichen Formen.

Natürlich ist zu beachten, dass hier die eine oder andere Theorie beschrieben wird, die die moderne Wissenschaft wohl bereits revidiert hat. Für den Einstieg und zum Lernen der aktuellen wissenschaftlichen Forschung ungeeignet, spricht das Buch aber gerade wegen seines Erscheinungsdatums an: Wissenschaftler und Studenten, oder aber die professionellen Kenner der Herr der Ringe-Reihe kommen hier auf ihre Kosten – kann doch der Stand der Kenntnisse als direkter Vorläufer und Faktengrundlage der Trilogie betrachtet werden. J. R. R. Tolkien hat den Landstrich Mittelerde nicht erfunden, sondern sich u.a. von der germanischen Mythologie (Midgard) inspirieren lassen.

Hinterlasse einen Kommentar