Bildung für alle Lebenslagen

Jörg von Uthmann schwadroniert über Königshäuser und Champagner

Natürlich muss ich dieses Hörbuch mit Dietrich Schwanitz' Werk vergleichen. Das verlangt schon der Titel. Und es stellt sich auch die Frage, ob es tatsächlich noch einen geben muss, der seinen Lesern und Hören vorschreibt, was man zu wissen hat.

Ein Pluspunkt dieses Hörbuchs ist aber der Untertitel: »ein amüsanter Leitfaden für alle, die ein Mann oder eine Frau von Welt werden wollen«, statt einem »alles, was man wissen muss«. Tatsächlich weiß der Autor so einiges zu erzählen, was bei Schwanitz in die unschmeichelhafte Kategorie »Was man nicht wissen sollte« eingereiht hat: jede Menge Klatsch und Tratsch, vor allem über Königshäuser, aber auch das Privatleben von Literaten ist hier ein bisschen wichtiger als deren Werke. Bezeichnend ist der Untertitel »nur Trottel haben die Bücher, über die sie reden, auch gelesen«.

Frank Engelhardt spricht den satirisch angehauchten Bildungskanon im passenden blasierten Tonfall, der jedoch mit der Zeit ein wenig nervt. Störend ist auch das Durcheinander der Kapitel. Legt man Dietrich Schwanitz Hörbuchversion ein, so kann man sich gezielt aussuchen, ob man nun eine CD zur Geschichte, zur Literatur oder zur Kunst hören möchte. Bei Jörg von Uthmanns Hörbuch dagegen hilft auch das Booklet nicht weiter: 11 Kapitel mit teilweise kryptischen Titeln und mindestens 30 minütiger Länge verteilen sich ungeordnet auf fünf CDs.

Legt man also CD 3 ein, mit der Hoffnung auf das Literaturkapitel zu stoßen, so hört man zunächst fünf Minuten »Aperitifs und Digestifs«, ein Unterkapitel von »der Champagner muss seufzen wie eine befriedigte Frau« bevor auf Track zwei das Literaturkapitel beginnt. Außerdem ärgert mich - vielleicht ein bisschen kleinlich - die rosane Rose, die dem Herrn auf dem Umschlag nachträglich und unbeholfen ins Revers gezaubert wurde. Da hätte man sich wirklich ein bisschen mehr Mühe geben können in der Graphikabteilung.

Mit der stets mitschwingenden Ironie kommt vielleicht nicht jeder zurecht, wenn es um ein sonst so ernsthaft behandeltes Thema wie »Bildung« geht. Wen aber Schwanitz subtile Überheblichkeit im Allgemeinen und das Kapitel »Was man nicht wissen sollte« im Speziellen geärgert hat, der findet hier die ideale Ergänzung. Die Naturwissenschaften ernten aber auch hier wie bei Schwanitz nur Missachtung: im Kapitel »Naturwissenschaften, nein danke«.

Bildung für alle Lebenslagen
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