Altbayrischer Festtags- und Brauchtumskalender 2010 | Bayerland VerlagWas macht man mit einem Altbayrischen Festtagskalender? Wenn man den Kalender nicht gerade zu Studienzwecken des bayrischen Volkes nutzen möchte, ist es hilfreich Altbayer sein, zumindest Bayer, also dort zu wohnen – die Feste wollen ja besucht werden.

Zum Beispiel die Passionsspiele in Oberammergau, die nur alle zehn Jahre stattfinden und bei der echte Männer ans Kreuz genagelt werden (vermutlich nicht wirklich). 2010 macht halb Oberammergau beim Spiel mit, man muss nur seit mindestens 20 Jahren Bürger sein. das ist Tradition seit 1633, als wirksames Mittel gegen die Pest.

Der Kalender ist ein Buch, von Januar bis Dezember sind neben den obligatorischen Kalenderblättern (mit Mondzeiten, Sä- und Pflanzenkalender, Holzschlagkalender und 100-jähriger Kalender) Artikel zu Tradition und Veranstaltungen, Bauernregeln, Rezepte (Zimtstrietzel etc.) und Hausmittel vorhanden.

Nachdem alle irdischen Gegenmaßnahmen versagt hatten, erflehten die verzweifelten Überlebenden die Hilfe des Himmels und verlobten sich am 27. Oktober 1633, die Passionstragödie alle 10 Jahre zu halten, und von dieser Zeit an ist kein Mensch mehr gestorben.

Nutzen Sie die Stiertage bei abnehmendem Mond, um Balkon- und Kübelpflanzen zu düngen, Wurzelgemüse zu säen und zu pflanzen oder Wühlmäuse zu bekämpfen.

Auch wenn er an den Oberammergauer Passionsspielen nicht als Darsteller teilnehmen darf: gerade auch für (neu) Zugezogenen ist der Kalender gold wert:  als Kultur- und Alltagsführer (“Wissen Sie was ein Schreiferl ist?” Damit meint man ein Schräuferl: eine kleine Schraube).

Was ist Kultur | C.H. BeckWas ist Kultur – dass diese Frage nicht so einfach beantwortet werden kann, ist zu befürchten. So einen Begriff zu umreißen verlangt nach vielen Denkansätzen, Querverweisen und Buchseiten. Umso erfreulicher ist es, dass diese Einführung  mit weniger als 200 Seiten auskommt. Der Oxford-Professor Terry Eagleton beginnt ähnlich wie Wikipedia. Dort steht einleitend: »Kultur (zu Lateinisch cultura, „Bearbeitung“, „Pflege“, „Ackerbau“, von colere, „wohnen“, „pflegen“, „den Acker bestellen“) ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur«.

Eagleton führt den Leser trotz weniger Seiten weit an den Begriff heran, zunächst etymologisch, betrachtet also Herkunft und Geschichte des Wortes, analysiert Kulturtheorien und dann soziale und politische Bezüge von heute (Kapitalismus und Globalisierung), wobei das Buch seit der Erstauflage 2001 vermutlich nicht mehr überarbeitet wurde.

Eagleton vereint zahlreiche Blickwinkel und breites Fachwissen und Fachvokabular, um schließlich die Frage nach Begriff und Bedeutung von Kultur geradezu volkstümlich und sentimental zu beantworten: »Kultur ist nicht nur das, wovon wir leben. In erheblichem Maße ist es auch das, wofür wir leben. Liebe, Beziehung, Erinnerung, Verwandtschaft, Heimat, Gemeinschaft, emotionale Erfüllung, geistiges Vergnügen, das Gefühl einer letzten Sinnhaftigkeit – dies alles steht den meisten von uns im Grunde näher als die Charta der Menschenrechte oder Handelsverträge« (Inhaltsverzeichnis und Leseprobe).

Was Kultur also leistet, ist, dass sie aus vielen sektiererischen politischen Individualitäten eine gemeinsame Humanität destilliert; dass sie den Geist aus der Haft der Sinne erlöst, dem Zeitlichen das Zeitlose entwindet und der Vielfalt die Einheit entreißt.

»Leicht und witzig geschrieben« sei das Buch, eine »intellektuelle Lockerungsübung«, so steht es im Beschreibunstext des Einbands. Fragt sich, welcher Bildungshintergrund nötig ist, um die Lektüre als eine Art amüsanten und geistig anregenden Zeitvertreib zu empfinden. Ausgestattet mit einem geisteswissenschaftlichen Grundvokabular kommt man zwar damit zurecht – aber »leicht und witzig«?

Vermutlich bezieht sich das auf Eagletons Bemühen, den einen oder anderen ungezwungenen Kommentar zu machen: so vergleicht er im Kapitel Kulturkriege den Westen mit einem »gekränkten Goliath«, der es dem» frech auftrumpfenden David« (andere Nationen, die im Zuge der Globalisierung emporkommen) schon noch zeigen werde. Man kann ja mal an entsprechender Stelle (intellektuell) vor sich hin lächeln.